Kälberdurchfall

Kälberdurchfall zählt zu den häufigsten Rinderkrankheiten überhaupt und betrifft ca. 40 % aller Kälber (Girnus, 2004). Darüber hinaus sind 50 % der Todesfälle bei Kälbern auf Durchfallerkrankungen zurückzuführen (Tautenhahn, 2017). Neben der hohen Inzidenz sind auch die Kosten, die durch Durchfallerkrankungen beim Kalb entstehen, sehr bedeutend. Leichte Durchfallerkrankungen verursachen dabei bereits Kosten von ca. 108 € pro Kalb. Je schwerer der Verlauf ist, desto höher fallen auch die Kosten aus. So liegen diese bei einer schweren Durchfallerkrankung bei 263 € pro Kalb (Lührmann, 2009). Studien zeigten außerdem, dass erkrankte Kälber in der 1. Laktation durchschnittlich 344 kg weniger Milch produzieren (Svensson et al., 2008). Schnelles Handeln bevor sich eine schwere Erkrankung manifestiert, sowie eine optimale Versorgung während der Krankheitsphase, können den Verlauf abmildern und die Verluste verringern.

Glücklicherweise verfügt der Darm über ein enormes Regenerationspotenzial und kann sich nach einer überstandenen Infektion alsbald vollständig erholen. Voraussetzung ist, dass rechtzeitig und gezielt gehandelt wird.

Ursachen für Durchfall beim Kalb

Ein Großteil der auftretenden Durchfälle von jungen Kälbern (bis ca. 14 Tage) ist auf Infektionen mit Viren (z.B. Rota- und Coronaviren), Bakterien (z.B. einige E. Coli Stämme) und Parasiten (z.B. Kryptosporidien) zurückzuführen. Die Infektion selbst ist für das Kalb nicht lebensbedrohlich, jedoch führen die Flüssigkeits- und Elektrolytverluste zu schwerwiegenden Folgen. Durch die Infektion kommt es unter anderem zu einer Schädigung der Darmschleimhaut. Nährstoffe können dadurch schlechter aufgenommen werden, was zu einer negativen Energiebilanz mit Abmagerung führt.

Kommt es zu einer Infektion, versucht der Darm durch das Sezernieren (Ausscheiden) von Wasser die Erreger «auszuspülen». Dieser Abwehrmechanismus führt zu hohen Wasserverlusten. So kann das Kalb bei mittelschwerem Durchfall 10% der Körpermasse pro Tag verlieren (bei schwerem Durchfall sogar 20%).

Da während dieses Prozesses auch vermehrt Elektrolyte (z.B. Na+, K+, Cl) und Puffersubstanzen (z.B. Bikarbonat) verloren gehen, kommt es zu einem Elektrolytmangel und zu einer Übersäuerung des Blutes (Azidose). Jedes dieser Symptome muss schnellstmöglich ausgeglichen werden, da ansonsten das Kalb in den meisten Fällen verstirbt.

In einigen Fällen kann es auch zu fütterungsbedingten Durchfallerkrankungen kommen. Das kann vermieden werden, wenn man auf eine optimale Tränketemperatur, MAT-Konzentration, ausreichende Tränkemenge sowie gute Wasserqualität und Hygiene achtet.

Prophylaxemaßnahmen und Therapie

Die beste Vorbeugung gegen Durchfallerkrankungen ist ein gutes Kolostrum-Management (Mehr hierzu in unserem Blogartikel). Darüber hinaus stellt eine gute Hygiene durch regelmäßiges Reinigen und Desinfizieren der Abkalbeställe und Kälberställe inkl. aller Gegenstände, wie z.B. Tränkeeimer und Nuckel eine sehr gute Prophylaxemaßnahme dar.

Kommt es bei einem Kalb zu den ersten Anzeichen von Symptomen, wie leicht flüssigem Kot, einem vermindertem Allgemeinzustand, Schwäche oder  herabgesetzter Hautspannung (Hautturgor), ist eine sofortige, orale Therapie mit einer Elektrolytlösung das Mittel der Wahl, um den Verlust von Wasser und Nährstoffen vorzubeugen bzw. auszugleichen.

Bei fortschreitender Erkrankung kommt es häufig zur Trinkschwäche und starkem Wasserverlust. In diesem Stadium ist eine Behandlung mit einer Infusionstherapie notwendig. Wenn das Kalb nach der Infusion beginnt zu trinken, sollte wieder auf eine orale Therapie umgestellt werden.

Bei der Flüssigkeits- und Elektrolytgabe ist auf einen adäquaten Anteil von Puffersubstanzen wie Hydrogenkarbonat (Bikarbonat) zu achten, da es in den meisten Fällen auch zu einer ausgeprägten Azidose kommt. Schafft man es nicht, der Azidose entgegenzuwirken, kann es zu weiteren Krankheitssymptomen wie verschärfter Atmung oder Müdigkeit bis hin zum Festliegen kommen.

Durch eine Infektion kommt es außerdem zu einer starken Schädigung der Darmschleimhaut. Wichtige Nährstoffe, wie Glucose, können dadurch schlechter aufgenommen werden. Eine zusätzliche Versorgung mit leicht verdaulichen Nährstoffen ist daher wichtig, um einer negativen Energiebilanz vorzubeugen. Je stärker der Durchfall ist, desto länger braucht das Kalb für den Genesungsprozess.

Elektrolytlösungen, die einen hohen Anteil an Bikarbonat zum notwendigen Ausgleich der Azidose enthalten, sollen nicht gleichzeitig mit der Milchgabe gefüttert werden, da es so zu Fehlgärungen der Milch und einer Verstärkung des Durchfalls kommen kann. Durch die abwechselnde Tränke von Milch und Elektrolytlösung kann das Kalb die notwendigen Nährstoffe und Flüssigkeit auf den Tag verteilt optimal aufnehmen.

Die orale Therapie mittels Elektrolyttränke ermöglicht es, Flüssigkeitsverluste von bis zu 6 Litern am Tag auszugleichen. Die Elektrolyttränken sollten zusätzlich zu den normalen Milchgaben als Zwischentränke erfolgen und die Anzahl sollte sich nach dem Schweregrad der Erkrankung richten, um die bedarfsgerechte Nährstoffzufuhr sicherzustellen. Bei mittelschweren Durchfällen ist eine zwei- bis dreimalige Gabe von jeweils 2 Litern empfohlen.

Darmgesundheit

Bei infektiösen Durchfallerkrankungen kommt es durch die Erreger zu einer Schädigung der Darmschleimhaut. Auch die Bildung der schützenden Schleimschicht ist vermindert und es kommt zur Entzündung des Darmgewebes. Als Folge daraus sterben die Darmzellen ab, die einerseits für die Nährstoffaufnahme verantwortlich sind, andererseits aber auch eine schützende Barriere darstellen. Dadurch werden unter anderem Toxine vermehrt aufgenommen und das Immunsystem wird weiter geschwächt.

Um dem entgegenzuwirken, ist eine schnelle und gezielte Therapie mit Elektrolyttränken notwendig. So können sich die Darmzellen schnell regenerieren und ihre eigentliche Funktion wieder übernehmen.

Wissenschaftliche Studien zeigen, dass Glycin einen positiven Effekt bei der Durchfalltherapie hat. Durch die Verwendung dieser Aminosäure kommt es zu einer verstärkten Aufnahme von Elektrolyten mittels Co-Transport im Darm und zur erhöhten Wasseraufnahme, was den entstandenen Verlusten entgegenwirkt. Darüber hinaus hat Glycin auch zellschützende und entzündungshemmende Wirkungen auf das Darmgewebe (Razak et al., 2017).

Butyrat ist das Salz der kurzkettigen Fettsäure Buttersäure und zeigt positive Effekte auf das Darmgewebe. So ist Butyrat ein bevorzugter Energielieferant für die Darmzellen, was deren Bildung und Regeneration fördert (Górka et al., 2018). Wie bei Glycin kommt es auch durch Butyrat zu einer Aufnahme von Elektrolyten und Wasser im Darm, was einen durchfallsenkenden Effekt hat. Außerdem wirkt es entzündungshemmend und stärkt die Barrierefunktion der Darmzellen (Leonel und Alvarez-Leite, 2012).

Weitere positive Effekte bei der Durchfalltherapie können durch den Einsatz von spezifischen phytogenen Wirkstoffen erzielt werden. Bei Durchfällen kommt es häufig auch zu schmerzhaften, krampfartigen Kontraktionen der Darmmuskulatur. Einige phytogene Substanzen wirken hierbei direkt auf die Muskelzellen des Darms, indem Ionenkanäle gehemmt werden, was krampflösend und beruhigend wirkt (Kamatou et al., 2013, Heghes et al., 2019). Darüber hinaus zeigen viele dieser Substanzen eine antibakterielle Wirkung und wirken entzündungshemmend und antioxidativ (Bakkali et al., 2007). Andere Wirkstoffe haben einen direkten Effekt auf die Darmzellen und können die Barrierefunktion oder auch die Schleimbildung fördern (Manneck et al., 2021). Zusätzlich fördern diese Stoffe die Trinklust der Kälber und steigern so die freiwillige Aufnahme der Elektrolyttränke.

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