Loading...
Gebärparese2018-07-03T15:00:39+00:00

Gebärparese

Gebärparese ist eine Stoffwechselerkrankung von Milchkühen, die um den Geburtszeitraum auftritt. Ursache ist ein Absinken des Blutcalciumspiegels, der zu einem Calcium-Mangel (der sogenannten Hypocalcämie) führt.  Die Gebärparese ist eine Stoffwechselerkrankung, die weitreichende Folgen für die Gesundheit der Milchkuh hat.

Obwohl es inzwischen verschiedene Strategien zur Prävention gibt, ist die Inzidenz von Gebärparese immer noch sehr hoch. Neuere Studien zeigen, dass die Inzidenz von klinischer Gebärparese zwar nur noch bei ca. 5% liegt, die Anzahl der subklinischen Fälle bei multiparen Tieren aber inzwischen auf 30-50% angestiegen ist (Reinhard et al., 2011; Venjakob et al., 2017). Damit ist ab der 2. Laktation fast jede zweite Kuh im Stall von Gebärparese betroffen.

Ursachen der Gebärparese

Die Ursache von Gebärparese ist ein Calciummangel im Blut. Mit der Kalbung beginnt die Milchsynthese, die den Bedarf an Nährstoffen und insbesondere an Calcium signifikant ansteigen lässt. Für 10 Liter Kolostrum werden ca. 23 g Calcium benötigt, was bereits der 9-fachen Calciummenge des Blutplasmas entspricht.

Um diesen enormen Mehrbedarf zu decken, müssen große Mengen an Calcium bereitgestellt werden. Zu den möglichen Mechanismen gehören die Mobilisation von Calcium aus körpereigenen Depots (z.B. Knochen) oder die Aufnahme aus dem Futter. Kann keine ausreichende Deckung des Calciumbedarfes erreicht werden, kommt es zum Abfall des Calciumspiegels im Blut mit der Folge der Gebärparese.

Hier dargestellt ist der typische Verlauf der Calciumkonzentration im Blut um den Geburtszeitraum herum. Je nachdem wie stark der Abfall ist, wird zwischen subklinischer und klinischer Gebärparese unterschieden.

Calcium- Schlüsselmolekül im Stoffwechsel

Calcium ist an vielen lebenswichtigen Stoffwechselprozessen beteiligt und spielt eine wichtige Rolle bei:

  • Erregungs- und Reizweiterleitung an den Synapsen (Übertragung von Signalen der Nervenendigungen auf die Muskulatur)
  • Muskelkontraktionen (z.B. Herzkontraktion, Zitzenverschluss, Wehentätigkeit bei der Kalbung)
  • Aktivierung und Vermittlung der Immunantwort
  • Intrazelluläre Signalkaskaden, Hormonausschüttung sowie Freisetzung von Botenstoffen

Bisherige Prophylaxemaßnahmen

Essentiell bei der Vorbeugung von Gebärparese ist eine bedarfsgerechte Calciumversorgung. Diese sollte in allen Phasen der Laktation, vor allem auch in der Trockenstehphase, optimal angepasst werden.

Zusätzlich können verschiedene Prophylaxemaßnahmen durchgeführt werden. Dazu gehören unter anderem:

  • Calcium-arme Fütterung und Einsatz von Calciumbindern (z.B. Zeolith A oder Reiskleie) vor der Kalbung
  • Fütterung von sauren Salzen zur verstärkten Calciummobilisierung aus dem Knochen
  • Orale Calciumgaben um den Geburtszeitraum (Paste, Bolus,…)
  • Subkutane Calciumapplikation
  • Vitamin-D Gabe

Therapie

Eine klinische Gebärparese, die nicht behandelt wird, führt häufig zum Tod des betroffenen Tieres. Die Therapie der klinischen Gebärparese besteht normalerweise aus einer intravenösen Calciumgabe durch den Tierarzt, die je nach Schweregrad der Erkrankung mehrfach wiederholt werden muss.

Die subklinischen Fälle der Gebärparese können nur durch Blutuntersuchungen nach der Kalbung bestimmt werden. Da die Milchkuh keine Symptome zeigt, wird die Erkrankung oft nicht erkannt und es kommt zu Folgeerkrankungen.

Gebärparese und sekundäre Folgeerkrankungen

Der Abfall des Calciumspiegels im Blut hat große Auswirkungen auf den Stoffwechsel der Tiere.

Bei einer akuten Gebärparese führt das fehlende Calcium zu einer reduzierten Erregbarkeit der Muskelzellen, was sich symptomatisch in einem instabilen Stand, einer gestörten Koordination und Problemen beim Aufstehen widerspiegelt. Im schlimmsten Fall kommt es zum Festliegen der Kühe. Häufig entstehen dabei auch Verletzungen der Gliedmaßen.

Neben der Skelettmuskulatur kann auch die glatte Muskulatur des Magen-Darm-Traktes, des Uterus oder auch des Zitzenschliessmuskels vom Calciummangel betroffen sein. Dies ist insbesondere bei subklinischer Gebärparese von Bedeutung. In diesem Fall liegen die Tiere zwar nicht fest, sie leiden aber an diversen Sekundärerkrankungen.

Im Magen-Darm Trakt können durch eine verminderte Kontraktionsfähigkeit und die damit einhergehende reduzierte Motilität, Verstopfungen sowie eine Futterdepression ausgelöst werden. Im Uterus können die für den Abkalbevorgang, aber auch die für den Abgang der Nachgeburt erforderlichen Kontraktionen durch den Calciummangel abgeschwächt sein, so dass es zu Schwergeburten und Nachgeburtsverhalten kommen kann.

Die durch eine Gebärparese hervorgerufene verminderte Kontraktionsfähigkeit der Zitzenmuskulatur steht in engem Zusammenhang mit dem Auftreten von Euterentzündungen (Mastitiden), da ein mangelnder Zitzenschluss den Eintritt von Bakterien begünstigt.

Da Calcium bei der Aktivierung des Immunsystems eine zentrale Rolle spielt, führt ein Calciummangel zudem zu einer generalisierten Immunsuppression mit weitreichenden Folgen für die spätere Laktation. In der Abbildung ist dargestellt, wie das Risiko für Sekundärerkrankungen ansteigt, wenn die Kuh von Gebärparese betroffen ist

Der Weg zu einer verbesserten Calciumversorgung

Die Aufnahme von Calcium wird durch Transportporteine im Magen-Darmtrakt vermittelt. Bei den Wiederkäuern wird ein großer Anteil an Calcium schon im Pansen, dem größten Vormagen, resorbiert. Die Aufnahme von Calcium aus dem Futter ist insbesondere zu Beginn der Laktation nicht ausreichend, um den Bedarf zu decken. Eine verbesserte Calciumresorption kann daher dazu beitragen, Gebärparese vorzubeugen.

In umfangreichen in vitro und ex vivo Studien an isoliertem Pansenepithel konnte gezeigt werden, dass für den Calciumtransport verantwortliche Transportproteine durch pflanzliche Stoffe sehr spezifisch aktiviert werden können. Die Calciumaufnahme aus dem Pansen kann so signifikant gesteigert werden (Rosendahl et al, 2016).

Diese Ergebnisse konnten in in vivo Fütterungsstudien mit laktierenden Milchrindern bestätigt werden: Die Verfütterung eines auf pflanzlichen Stoffen basierenden Futtermittelzusatzstoff führte zu einer signifikanten Erhöhung des Blut-Calciumspiegels (Braun et al., 2018). Die gezielte Anwendung pflanzlicher Wirkstoffe kann so zu einem verbesserten Calciumstoffwechsel beitragen und eröffnet damit einen völlig neuen Ansatz zur Gebärparese-Prophylaxe.

 

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen